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Als wäre der Kessel in zwei Jahren grün

Grüner Wasser­stoff ist wichtig für die Energie­wende. Nicht jedoch in der Gebäude­heizung. Das bestätigt aktuelle „Agora-Studie“. Haus­technik­hersteller Stiebel Eltron fordert eine bessere Auf­klärung der Ver­braucher

„Kein vernünftiger Mensch hobelt sich Trüf­fel in den Kamil­len­tee“, ist Henning Schulz, Presse­sprecher des Haus­technik­her­stellers Stiebel Eltron, über­zeugt. Das ist zu teuer und ein ge­schmack­li­ches High­light sei auch nicht zu er­war­ten. Diese mensch­liche Ver­nunft ver­misse er in der ak­tuellen Dis­kus­sion zum Thema „Wasser­stoff“. „Warum sollte man das, was so­wie­so zu wenig vor­han­den ist, auf in­effi­ziente Weise ver­heizen?“ Zumal funk­tio­nie­ren­de Verfahren zur öko­logischen Wärme­erzeu­gung am Start seien…

Grüner Wasser­stoff spielt für die Er­reichung der Klima­ziele in der Zu­kunft eine wich­tige Rolle – darüber be­steht weit­gehen­der Kon­sens. „Schließ­lich bietet er einen wei­teren Weg zur Dekar­bo­ni­sie­rung“, bestätigt Henning Schulz, Presse­sprecher des Haus­tech­nik­her­stellers Stiebel Eltron. „Nur eben nicht über­all.“

Laufen Antero
Wirkungs­grade in Be­zug auf den ein­gesetz­ten er­neuer­baren Strom, Foto­nachweis: Stiebel Eltron

Strom aus der Wüste?

Wenn heute einem Häusle­bauer versichert werde, er könne getrost einen Gas­kessel ein­bauen lassen, denn in spätes­tens zwei Jahren würde dieser mit grünem Wasser­stoff gespeist werden, weiß Schulz: „Das wird nicht passieren.“

Um umweltfreundlichen Wasser­stoff zu erzeugen, brauche man große Mengen Öko­strom. Wegen deutlich geringerer Strom­kosten und höherer Voll­last­stunden in klima­tisch günstigen Ländern wie Nord­afrika ist der Wasser­stoff-Import öko­no­misch zwar attraktiv. Das Fraun­hofer Institut schätzt die Kosten für syn­thetische Kraft­stoffe jedoch deut­lich höher ein als die heutiger fossiler Kraft-/Brenn­stoffe – selbst beim Import aus attrak­tiven Regionen. Zudem werden vor­wiegend die Hersteller­kosten betrachtet, daraus lassen sich aber keine di­rek­ten Markt­preise ableiten. Denn diese basieren auf Grenz­kosten plus Aufschlägen für Steuern, Gewinn, Vertrieb oder sogar Knapp­heit. Dies führt zur Gefahr, den tat­sächlichen Markt­preis deutlich zu unter­schätzen und daraus falsche Politik­emp­fehlungen abzu­leiten.

Das Erzeugungs­potenzial für grünen Wasser­stoff in Deutsch­land hat das Fraun­hofer Institut auf 50 bis 150 TWh begrenzt und ist sich sicher: Damit ist der prognostizierte Bedarf für 2050 nicht annähernd zu decken. Aber auch im Aus­land wird sich allein Aufbau von Produktions­anlagen und der Trans­port­infrastruktur für große Wasser­stoff-Mengen wohl bis 2030 hinziehen.

Die Option, grünen Wasserstoff aus sonnen­verwöhnten Wüsten­regionen zu importieren, ringt Schulz nicht viel mehr als ein müdes Lächeln ab: „Wasser­stoff über zig Länder, durch eine Leitung, die noch gebaut werden muss, oder mittels einer riesigen Flotte an Tank­schiffen, bei denen der Wasser­stoff auch noch auf -253 °C gekühlt werden muss, zu trans­portieren – hat das schon mal jemand zu Ende gedacht?“ Mal abgesehen davon, dass alle infrage kommenden Erzeuger­länder auch das Pariser Klima­abkommen unter­schrieben hät­ten und erst dann den grünen Wasser­stoff klima­neutral exportieren können, wenn der eigene Energie­bedarf komplett mit ihren rege­nera­tiven Energien gedeckt wird. Es nützt wenig, CO2 in Deutsch­land zu vermeiden und dieses statt­dessen woanders in die Atmos­phäre aus­zustoßen. Zumal es laut Fraun­hofer Institut große globale Unter­schiede bei der Definition für „CO2-freien Wasser­stoff“ gibt. Manche beziehen sogar die Nutzung von Atom­energie als CO2-frei mit ein. In vielen potenziellen H2-Produktions­ländern basiert die Strom­er­zeu­gung ohnehin noch auf fossilen Quellen. Und was passiert, wenn die Export­länder den Wasser­stoff selbst benötigen: Alles offene Fragen!

Wasserstoff ist wichtig – für die Industrie

Grünen Wasserstoff solle man dort einsetzen, wo er dringend gebraucht werde. Im Mobilitäts­sektor für Schwer­last-, Schiffs- und Flugver­kehr beispiels­weise. Hier sei der Einsatz von Batterien voraussichtlich nicht möglich. Auch in der Industrie für Hoch­tem­peratur­anwen­dungen oder der che­mischen Industrie werde grüner Wasser­stoff für die stoffliche Weiter­verar­beitung gebraucht. Es sei entscheidend, diese Industrien bei der De­karbo­nisierung zu unter­stützen und die not­wendigen Ressourcen als Ersatz von Erdöl bereit­zustellen – anstatt sie ihnen wegzunehmen. Grüner Wasser­stoff wird auch eine zentrale Rolle als Zwischen­speicher spielen, indem in Zeiten mit über­schüssiger Produktion erneuer­baren Stroms - über den Umweg der Elektrolyse - das umwelt­freund­liche Gas zur späteren Ver­stro­mung in Gaskraftwerken gespeichert wird. „Wenn wir Wasser­stoff verheizen, erzeugen wir nicht nur einen enormen Nach­frage­schub, den wir nicht decken können, sondern generieren auch einen Preis­anstieg“, so Schulz. Das Fraunhofer spreche hier immer­hin von einem Plus von bis zu 60 Prozent. Zudem sei Wasser­stoff bei der Wärme­erzeugung auch vergleichs­weise ineffi­zient.

Weil direkt besser ist

Ökostrom erst in Wasser­stoff umwandeln, den Wasser­stoff dann wiederum im Gas-Brenn­wert­gerät verbrennen, um Wärme zu erzeugen – das sei nicht effizient. „Nutze ich den Strom direkt mit einer Wärme­pumpe, so brauche ich nur einen Bruch­teil der Menge, die anderer­seits eingesetzt werden müsste“, weiß der Experte. Warum sollte man das Fünffache an Strom­bedarf in Kauf nehmen?

Nicht ohne Grund verneinen sämt­liche Studien den Einsatz von grünem Wasser­stoff in der Gebäude­heizung. Die aktuelle Studie von Agora „Klima­neutrales Deutsch­land“, die ein Szenario für die Erreichung der Klima­ziele bis 2050 aufzeigt, schlägt in die gleiche Kerbe: „Im Bereich der Objekt­heizung erfolgt aus Kosten­gründen kein Einsatz von Wasser­stoff“, heißt es hier. „Jeder Ver­braucher sollte sich darüber im Klaren sein, dass er mit seinem neuen Gas­kessel die nächsten 15 bis 20 Jahre fossil heizen wird“, so Schulz. “Die Diskus­sion um grünen Wasser­stoff im Wärme­bereich führt Ver­braucher daher in die Irre.“

Die Wärmepumpen­technologie stehe längst bereit für eine Dekar­bonisierung der Gebäude­heizung, versichert Schulz. Heimische Strom­versorgung und effiziente Nutzung inklusive.

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